Wer behauptet, die deutschsprachige Literatur bestünde ausschließlich aus schwermütigen und trüben Gedanken wie bei Friedrich Hölderlin, Novalis und Annette von Droste-Hülshoff, der irrt. Es ist richtig, dass der Humor in der deutschen Literatur nie die Blüte erreichte wie in anderen Ländern. Über die Ursachen scheiden sich die Geister. So könnte einmal der über die Generationen weiter getragene Begriff vom Ernst des Lebens verantwortlich sein. Andere Stimmen erachten die kühlere Natur der Deutschen für ausschlaggebend. Schuld könnte auch der Gedanke vieler Autoren sein, Literatur müsse ernst und problembehaftet sein. Schließlich könne sie nur dann etwas bewirken. Denkbar wäre auch, dass der Motor sensibler Autorenseelen einfach der Schmerz ist und nicht die Freude.
Martin Opitz brachte die Komödie
Verstärkt seit dem 17. Jahrhundert hielt mit dem Auftreten der Komödie das heitere Spiel Einzug in die deutsche Literatur. Der barocke Dichter Martin Opitz ist hier als Vorreiter zu nennen. Mit seiner Poetik stellte er noch strenge Regeln für die Komödie auf. So durften beispielsweise nur die einfachen Leute vorgeführt werden. Die Adligen erhielten ihren Raum in der Tragödie.
Der Humor von Heine bis heute
Auch zwei Jahrhunderte später sparte Heinrich Heine nicht mit Humor und Ironie in seiner “Harzreise”. Und Jean Paul ist einer der exzellentesten humoristischen Dichter überhaupt.
Wilhelm Busch mit seinen “Max und Moritz”-Geschichten aus dem Jahre 1865 steht noch heute in vielen Bücherregalen.
Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts war es Bertolt Brecht, der mit seinen Texten und Theateraufführungen die Leser zum Lachen brachte.
In Wolfgang Borcherts “Die traurigen Geranien und andere Geschichten aus dem Nachlaß” tritt trotz der Einwirkungen der Kriegsgeschehnisse ein erstaunlicher Humor ans Tageslicht.
Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts sagte Erich Kästner: “Die deutsche Literatur ist einäugig. Das lachende Auge fehlt.” Kästner trat mit humorvollen Kinderbüchern und humorvollen, zeitkritischen Gedichten an die Öffentlichkeit. Auch die Romane von Thomas Mann und Heinrich Böll sind randvoll mit Ironie und Humor.
In die aktuellen Veröffentlichungen junger deutscher Autoren gesellen sich nur zögerlich humoristische Töne. Allen voran Daniel Kehlmann und Judith Zander. Sie haben verstanden: Mit einer Prise Witz lässt sich manchmal das Problematische leichter sagen.